danke für den artikel. wenn es nicht so wahr und traurig wäre, könnte ich herzhafter darüber lachen. ja, deutschland ist wahrlich alles andere als familienfreundlich. aber überlg mal, wer an den spitzen sitzt und wer davon kinder hat.. und solche leute entscheiden über solche dinge.
So wahr, so wahr. Die Niederlande sind auch nicht unbedingt familienfreundlicher. Aber es macht schon einen Unterschied, dass alle Kinder mit 4 Jahren in die Schule gehen. Ich weiß gar nicht, was hier die KiTa kostet. Und was man davon zurückbekommt. Eine Tagesmutter lässt sich gerade noch bezahlen, und wir bekommen 55% zurück. Womit es günstiger ist, zu arbeiten und das Kind wegzubringen.
Es kommt natürlich immer darauf an, was man verdient. Lars und ich haben den Vorteil, beide sehr gut ausgebildet zu sein. Er ist Meister, ich Akademikerin. Auch mit zwei Kindern wird es sich lohnen, die Betreuung zu bezahlen. zumal Laura dann schon sehr bald in die Schule kommt.
Wir haben eher ein Zeitproblem. Ich habe wirklich noch keine Ahnung, wie wir das mit der Betreuung in den Schulferien machen sollen.
Da habe ich dann wiederum Glück, dass ich zur gleichen Zeit Ferien habe. Aber Schule ist hier ja immer schon um 3 aus, da muss ich später wahrscheinlich auch noch auf die Tagesmutter zurückgreifen. Die ich habe, holt auch immer ein anderes Kind von der Schule ab. Ich weiß nicht, ob es hier im Ort auch sowas wie einen Hort gibt.
Die Polemik auf die Shape finde ich großartig, bei dem Rest musste ich häufiger mit dem Kopf schütteln. Die Rahmenbedingungen für Familien sind in anderen Ländern weitaus schlechter und die Geburtenraten dort trotzdem höher, es liegt also nicht immer nur an den bösen Politikern. Uns geht's verdammt gut hier.
in vielen länden ist sie aber auch durchaus besser, auch in ländern, in denen man das beispielsweise weniger erwarten würde im vergleich zu deutschland (in kroatien zb bekommst du aber einer gewissen anzahl von kindern eine staatlich garantierte rente. außerdem gibt es elterngeld in höhe von 100% etc.).
zudem sind kinder in manch anderen ländern auch lebenssicherung und/ oder gesellschaftlich weitaus höher geschätzt und gewollt. in deutschland ist es ab zwei kindern oft schon schwer eine wohnung zu bekommen (manchmal sogar mit einem, hab genügend anzeigen gelesen mit dem vermerk "keine kinder, keine ausländer, keine tiere"). natürlich liegt nicht alles an der politik, vieles ist mittlerweile auch gesellschaftlich verankert. meiner meinung nach ist das ein wechselspiel aus verschiedenen faktoren. und in ländern, die familienfreundlich sind, steigen die geburtenraten stetig (siehe skandinavien zb). also irgendwas ist wohl dran.
ja, es geht uns schon gut hier, auf jeden fall. aber vieles ist auch im argen und für so ein weit entwickeltes land wie deutschland sollte man doch meinen, dass es im internationalen vergleich besser abschneidet.
Dass es sowohl politisch wie gesellschaftlich einiges zu verbessern gibt und Familien unterstützt werden sollen, steht außer Frage. Besonders die Themen flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeit für Väter und Rente finde ich da sehr wichtig. Von meinen kinderlosen Bekannten sagt allerdings niemand „Ich möchte keine Kinder, weil in Deutschland die Familienpolitik eine Katastrophe ist und mir die gesellschaftliche Anerkennung der Elternschaft fehlt.“ Und auf der anderen Seite bekommt hier auch niemand - jetzt mal Hand aufs Herz - Kinder, um die "Renten der Deutschen zu retten". Der Wunsch ist entweder stark genug vorhanden oder nicht.
Ich denke einfach, dass die niedrige Geburtenrate sehr viel mehr mit den eigenen Ansprüchen und Idealvorstellungen zu tun hat, die schlicht und ergreifend nicht erreicht werden können. Stichwort Selbstoptimierungswahn. Unter den Kommentaren zu dem Artikel ist einer, dessen Haltung ich teile und denke, dass sie sich in unserer Gesellschaft gerne wieder verbreiten darf (Kommentar vom 4. Juni, 13:14 Uhr): Man muss und kann nicht alles haben im Leben. Man trifft Entscheidungen, setzt Prioritäten und findet Kompromisse. So ist das halt. Und das gilt für alle, Eltern wie Kinderlose.
Die Frage ist, was man mit "Rahmenbedingungen" meint bzw dort einschließt. Ich denke wirklich nicht, dass sich eine statistisch relevante Anzahl an Frauen mit Blick auf die Rente dagegen entscheidet, keine Kinder zu bekommen.
Es gibt so viele Gründe, keine Kinder zu bekommen. Nicht der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Oder sie möchte lieber weiter Karriere machen. Das sind die häufigsten Gründe in meinem Umfeld. Den ersten kann keine Politik der Welt ändern. Den zweiten auch eher nur marginal. Denn es wird nun mal nie für beide Partner beides, Kinder und Karriere, zu 100 % gehen. Das zu erwarten, finde ich, ehrlich gesagt, naiv. Das Frauen darüber meckern, dass eher sie bei der Karriere den kürzeren ziehen, ist okay. An unserer Familie kann man sehen, dass es auch anders geht. Finanzielle Abstriche haben wir natürlich durch die Kindererziehung. Auch hier finde ich es illusorisch, zu erwarten, dass es nicht so ist. Allerdings sind die Kinder ja eben nicht unsere Altersvorsorge, sondern die von allen. Wenn man also jetzt schon die Mühe und die Verluste auf sich nimmt, sollte man doch zumindest bei der Rente nicht auch noch Verluste haben, finde ich. Das ist schlichtweg ungerecht.
Es ist aber eben nicht nur eine finanzielle Frage, und darauf geht sie gar nicht ein. Kinder haben ist verdammt anstrengend. Ich kenne Frauen, die nach dem ersten Kind so satt waren, dass sie eben kein Zweites wollten. Dazu fehlt ja noch jegliche gesellschaftliche Anerkennung. Ich weiß es, denn ich war selbst, bevor ich Kinder hatte, ziemlich kinderfeindlich. Ich kann es auf jeden Fall verstehen, wenn da die Pro und Contra Liste zu "keine Kinder" ausfällt. Auch wenn ich es jetzt, da ich welche habe, so toll finde, dass ich mich für jeden freue, der sich auch dafür entscheidet. Die Familien sind doch heute mit Ihren Sorgen meistens auf sich alleine gestellt. Und die paar "gesellschaftlichen" Hilfen, die es da gibt (Hebammenhilfe) werden eher abgeschafft. Das ist doch kurzsichtig.
Ich finde an dem Artikel gut, dass er herausstellt, dass es ein Problem ist, welches alle angeht.
Du sprichst da jetzt schon die Punkte an, die mich an dem Artikel gestört haben. Ich habe einfach das Gefühl, dass sehr viel immer sofort auf die Politik abgewälzt wird. Ein Kind ist schlecht in der Schule, also muss gefälligst das Bildungssystem reformiert werden. Immer mehr Menschen sind übergewichtig, also muss die Regierung doch endlich was gegen die bösen Süßwarenhersteller unternehmen und McDonalds verbieten. Als wären wir ein Haufen unmündiger Bürger, die nicht mehr eigenständig denken können.
Was die gesellschaftliche Anerkennung betrifft: Die eine Seite beschwert sich, dass Frauen immer noch auf ihre Gebärfähigkeit reduziert und als unnormal hingestellt werden, wenn sie keine Kinder möchten; dass die Mutterrolle in Deutschland immer noch extrem idealisiert wird. Die andere Seite fühlt sich in ihrer Mutterschaft nicht ausreichend anerkannt. Was stimmt denn nun? Kommt es nicht vielleicht immer darauf an, welcher Seite man angehört? ;)
Und wie genau soll die Anerkennung denn aussehen? Ich frage das im Ernst, weil ich es verstehen möchte und in einem wirklich sehr familienfreundlichen Umfeld lebe.
Es ist doch so: Uns Frauen wird seit Jahren eingeredet, wir könnten und sollten beruflich genauso erfolgreich sein wie Männer. Wir sollen unabhängig und gut ausgebildet sein und möglichst in die Führungsriegen streben. Die Versorgerehe existiert nicht mehr, die alten Rollenmodelle wurden abgeschafft - es gibt aber noch keine neuen! -, überall erkämpft frau sich die Gleichberechtigung. Wir haben viel mehr Optionen als noch unsere Mütter, für die der Weg im Prinzip vorgegeben war. Wen wundert es dann, dass die Frauen heute weniger oder keine Kinder bekommen? Und wenn wir es dann doch tun, merken wir schnell, dass da einiges nicht auf Anhieb so ganz hinhaut. (Buchtipp: Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können von Marc Brost und Heinrich Wefing, Rowohlt 2015)
Als kinderfeindlich habe ich Dich übrigens nie empfunden.
Henks Mutter lebt ja auch noch in einer Welt, in der der Mann der Alleinverdiener ist. Die Frau versteht nicht, dass ich die halben Kosten trage und Henk darum auch was im Haushalt tun muss. Ich wurde von ihr schief angeguckt, dass ich auch mit Kind noch arbeiten wollte. Ich finde es prima, dass ich auch mit Kind nicht abhängig von Henk bin. Und ich bin froh, dass es sich mit der Arbeit gut kombinieren lässt.
Hier in den Niederlanden wird zum Glück nicht überall die Politik für alles verantwortlich gemacht. Aber hier wird, glaube ich, auch im Allgemeinen weniger über alles und noch was geklagt.
Genau. Alle geht nicht. Das muss einem auch klar sein. Ich kann derzeit nicht meine Selbstverwirklichung auf einer Weltreise voran treiben. Und auch die Universitätskarriere gibt es für mich nicht.
Ich kann, auf längere Zeit geplant, wohl bei der Artesan ganz gut Karriere machen. Jedenfalls hatten sie mich vermutlich nicht zum Jux bei einem Führungskräfteseminar für mehrere Zehntausend Euro angemeldet. Der Termin fiel dummerweise in meinen Mutterschutz. ^^ Wahrscheinlich fange ich nach der Elternzeit wieder von vorne damit an, mir solches Zutrauen zu erarbeiten.
Du hast vermutlich Recht, dass schlicht und ergreifend die Wahlfreiheit der Hauptgrund für die Geburtenrate ist.
Kinderfeindlich. Naja doch, war ich schon. Ich hab mich jedenfalls gefragt, warum Leute mit Blagen eigentlich unbedingt in Cafés, Restaurants oder so gehen müssen. Ich war einfach schnell genervt davon. Anstatt darüber nachzudenken, dass das ganz normale Leute sind, die auch mal ausgehen möchten. Genau da sehe ich auch ein Problem der Gesellschaft: Kinder gehören nicht dazu. Die sollen bitteschön schön nett abgeschlossen aufbewahrt werden, wo sie niemanden stören können. Eltern-Kind-Cafés. Hotels extra für Familien. Natürlich mit Betreuung im möglichst schallisolierten Räumen, damit sich auch ja keiner gestört fühlt. Ich finde das nicht gut! Die Kinder lernen so nicht, sich zu benehmen. Und die Erwachsenen vergessen, dass Kinder sich eben nicht zu jeder Zeit perfekt benehmen, weil sie keine kleinen Roboter sind. Und das das aber zum Leben dazu gehört.
Mich selbst stresst das heute. Wenn meine Kinder laut sind und "nicht funktionieren" setze ich mich unter Druck, dass ich das sofort abstellen muss. Jetzt sehe ich eben die andere Seite.
Man sollte davon ausgehen, dass Du Dir das Zutrauen Deines Arbeitgebers schon ausreichend VOR der ersten Geburt erarbeitet hattest. Traurig, wenn man dann quasi wieder bei Null anfangen muss.
Die Kinder lernen so nicht, sich zu benehmen. Ich glaube, das ist vielen, auch Eltern, nicht bewusst, und dadurch schaukelt es sich gegenseitig hoch. Gäbe es diese speziellen Angebote für Familien nicht, würde man nach ihnen verlangen. Angebot und Nachfrage eben. Meine Schwester hat sich mit den Jungs bei ihrem Besuch hier ja auch nicht ins Hotel getraut, sondern ist lieber in die Jugendherberge gegangen, "wegen der anderen Gäste". Und sie hatte Schweißperlen auf der Stirn, als ich fürs Abendessen das Kartoffelhaus vorgeschlagen habe - was nun wirklich kein Schickimicki-Restaurant ist. Zumal wir draußen gesessen haben. Meine Neffen sind echt keine besonders auffälligen Rabauken, sondern schlaksige, alberne Jungs. So muss das auch :)
In der Hinsicht wird Frankreich ja immer als positives Beispiel genannt, weil die Kinder völlig normal immer dabei sind und sich "sogar benehmen". Darüber muss ich demnächst auch ein Buch lesen.
Leider sind es häufig gar nicht Kinderlose, die sich mokieren, sondern andere Eltern. Das finde ich besonders schade.
no subject
Date: 2015-06-04 11:21 pm (UTC)From:no subject
Date: 2015-06-05 07:36 am (UTC)From:So wahr, so wahr. Die Niederlande sind auch nicht unbedingt familienfreundlicher. Aber es macht schon einen Unterschied, dass alle Kinder mit 4 Jahren in die Schule gehen.
Ich weiß gar nicht, was hier die KiTa kostet. Und was man davon zurückbekommt. Eine Tagesmutter lässt sich gerade noch bezahlen, und wir bekommen 55% zurück. Womit es günstiger ist, zu arbeiten und das Kind wegzubringen.
no subject
Date: 2015-06-05 07:57 pm (UTC)From:Lars und ich haben den Vorteil, beide sehr gut ausgebildet zu sein.
Er ist Meister, ich Akademikerin.
Auch mit zwei Kindern wird es sich lohnen, die Betreuung zu bezahlen.
zumal Laura dann schon sehr bald in die Schule kommt.
Wir haben eher ein Zeitproblem. Ich habe wirklich noch keine Ahnung, wie wir das mit der Betreuung in den Schulferien machen sollen.
no subject
Date: 2015-06-06 05:21 pm (UTC)From:Aber Schule ist hier ja immer schon um 3 aus, da muss ich später wahrscheinlich auch noch auf die Tagesmutter zurückgreifen. Die ich habe, holt auch immer ein anderes Kind von der Schule ab. Ich weiß nicht, ob es hier im Ort auch sowas wie einen Hort gibt.
no subject
Date: 2015-06-05 08:02 am (UTC)From:no subject
Date: 2015-06-05 11:55 am (UTC)From:zudem sind kinder in manch anderen ländern auch lebenssicherung und/ oder gesellschaftlich weitaus höher geschätzt und gewollt. in deutschland ist es ab zwei kindern oft schon schwer eine wohnung zu bekommen (manchmal sogar mit einem, hab genügend anzeigen gelesen mit dem vermerk "keine kinder, keine ausländer, keine tiere"). natürlich liegt nicht alles an der politik, vieles ist mittlerweile auch gesellschaftlich verankert. meiner meinung nach ist das ein wechselspiel aus verschiedenen faktoren. und in ländern, die familienfreundlich sind, steigen die geburtenraten stetig (siehe skandinavien zb). also irgendwas ist wohl dran.
ja, es geht uns schon gut hier, auf jeden fall. aber vieles ist auch im argen und für so ein weit entwickeltes land wie deutschland sollte man doch meinen, dass es im internationalen vergleich besser abschneidet.
no subject
Date: 2015-06-06 09:26 am (UTC)From:Von meinen kinderlosen Bekannten sagt allerdings niemand „Ich möchte keine Kinder, weil in Deutschland die Familienpolitik eine Katastrophe ist und mir die gesellschaftliche Anerkennung der Elternschaft fehlt.“ Und auf der anderen Seite bekommt hier auch niemand - jetzt mal Hand aufs Herz - Kinder, um die "Renten der Deutschen zu retten". Der Wunsch ist entweder stark genug vorhanden oder nicht.
Ich denke einfach, dass die niedrige Geburtenrate sehr viel mehr mit den eigenen Ansprüchen und Idealvorstellungen zu tun hat, die schlicht und ergreifend nicht erreicht werden können. Stichwort Selbstoptimierungswahn. Unter den Kommentaren zu dem Artikel ist einer, dessen Haltung ich teile und denke, dass sie sich in unserer Gesellschaft gerne wieder verbreiten darf (Kommentar vom 4. Juni, 13:14 Uhr): Man muss und kann nicht alles haben im Leben. Man trifft Entscheidungen, setzt Prioritäten und findet Kompromisse. So ist das halt. Und das gilt für alle, Eltern wie Kinderlose.
no subject
Date: 2015-06-05 08:33 pm (UTC)From:Ich denke wirklich nicht, dass sich eine statistisch relevante Anzahl an Frauen mit Blick auf die Rente dagegen entscheidet, keine Kinder zu bekommen.
Es gibt so viele Gründe, keine Kinder zu bekommen.
Nicht der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Oder sie möchte lieber weiter Karriere machen.
Das sind die häufigsten Gründe in meinem Umfeld.
Den ersten kann keine Politik der Welt ändern.
Den zweiten auch eher nur marginal. Denn es wird nun mal nie für beide Partner beides, Kinder und Karriere, zu 100 % gehen. Das zu erwarten, finde ich, ehrlich gesagt, naiv. Das Frauen darüber meckern, dass eher sie bei der Karriere den kürzeren ziehen, ist okay.
An unserer Familie kann man sehen, dass es auch anders geht.
Finanzielle Abstriche haben wir natürlich durch die Kindererziehung. Auch hier finde ich es illusorisch, zu erwarten, dass es nicht so ist.
Allerdings sind die Kinder ja eben nicht unsere Altersvorsorge, sondern die von allen.
Wenn man also jetzt schon die Mühe und die Verluste auf sich nimmt, sollte man doch zumindest bei der Rente nicht auch noch Verluste haben, finde ich. Das ist schlichtweg ungerecht.
Es ist aber eben nicht nur eine finanzielle Frage, und darauf geht sie gar nicht ein.
Kinder haben ist verdammt anstrengend.
Ich kenne Frauen, die nach dem ersten Kind so satt waren, dass sie eben kein Zweites wollten.
Dazu fehlt ja noch jegliche gesellschaftliche Anerkennung.
Ich weiß es, denn ich war selbst, bevor ich Kinder hatte, ziemlich kinderfeindlich. Ich kann es auf jeden Fall verstehen, wenn da die Pro und Contra Liste zu "keine Kinder" ausfällt. Auch wenn ich es jetzt, da ich welche habe, so toll finde, dass ich mich für jeden freue, der sich auch dafür entscheidet.
Die Familien sind doch heute mit Ihren Sorgen meistens auf sich alleine gestellt. Und die paar "gesellschaftlichen" Hilfen, die es da gibt (Hebammenhilfe) werden eher abgeschafft. Das ist doch kurzsichtig.
Ich finde an dem Artikel gut, dass er herausstellt, dass es ein Problem ist, welches alle angeht.
Und der erste Teil ist saulustig.
no subject
Date: 2015-06-06 10:11 am (UTC)From:Was die gesellschaftliche Anerkennung betrifft: Die eine Seite beschwert sich, dass Frauen immer noch auf ihre Gebärfähigkeit reduziert und als unnormal hingestellt werden, wenn sie keine Kinder möchten; dass die Mutterrolle in Deutschland immer noch extrem idealisiert wird. Die andere Seite fühlt sich in ihrer Mutterschaft nicht ausreichend anerkannt. Was stimmt denn nun? Kommt es nicht vielleicht immer darauf an, welcher Seite man angehört? ;)
Und wie genau soll die Anerkennung denn aussehen? Ich frage das im Ernst, weil ich es verstehen möchte und in einem wirklich sehr familienfreundlichen Umfeld lebe.
Es ist doch so: Uns Frauen wird seit Jahren eingeredet, wir könnten und sollten beruflich genauso erfolgreich sein wie Männer. Wir sollen unabhängig und gut ausgebildet sein und möglichst in die Führungsriegen streben. Die Versorgerehe existiert nicht mehr, die alten Rollenmodelle wurden abgeschafft - es gibt aber noch keine neuen! -, überall erkämpft frau sich die Gleichberechtigung. Wir haben viel mehr Optionen als noch unsere Mütter, für die der Weg im Prinzip vorgegeben war.
Wen wundert es dann, dass die Frauen heute weniger oder keine Kinder bekommen? Und wenn wir es dann doch tun, merken wir schnell, dass da einiges nicht auf Anhieb so ganz hinhaut.
(Buchtipp: Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können von Marc Brost und Heinrich Wefing, Rowohlt 2015)
Als kinderfeindlich habe ich Dich übrigens nie empfunden.
no subject
Date: 2015-06-06 05:49 pm (UTC)From:Ich wurde von ihr schief angeguckt, dass ich auch mit Kind noch arbeiten wollte. Ich finde es prima, dass ich auch mit Kind nicht abhängig von Henk bin. Und ich bin froh, dass es sich mit der Arbeit gut kombinieren lässt.
Hier in den Niederlanden wird zum Glück nicht überall die Politik für alles verantwortlich gemacht. Aber hier wird, glaube ich, auch im Allgemeinen weniger über alles und noch was geklagt.
no subject
Date: 2015-06-06 07:06 pm (UTC)From:Ich kann derzeit nicht meine Selbstverwirklichung auf einer Weltreise voran treiben.
Und auch die Universitätskarriere gibt es für mich nicht.
Ich kann, auf längere Zeit geplant, wohl bei der Artesan ganz gut Karriere machen. Jedenfalls hatten sie mich vermutlich nicht zum Jux bei einem Führungskräfteseminar für mehrere Zehntausend Euro angemeldet.
Der Termin fiel dummerweise in meinen Mutterschutz. ^^
Wahrscheinlich fange ich nach der Elternzeit wieder von vorne damit an, mir solches Zutrauen zu erarbeiten.
Du hast vermutlich Recht, dass schlicht und ergreifend die Wahlfreiheit der Hauptgrund für die Geburtenrate ist.
Kinderfeindlich. Naja doch, war ich schon. Ich hab mich jedenfalls gefragt, warum Leute mit Blagen eigentlich unbedingt in Cafés, Restaurants oder so gehen müssen. Ich war einfach schnell genervt davon. Anstatt darüber nachzudenken, dass das ganz normale Leute sind, die auch mal ausgehen möchten.
Genau da sehe ich auch ein Problem der Gesellschaft: Kinder gehören nicht dazu. Die sollen bitteschön schön nett abgeschlossen aufbewahrt werden, wo sie niemanden stören können. Eltern-Kind-Cafés. Hotels extra für Familien. Natürlich mit Betreuung im möglichst schallisolierten Räumen, damit sich auch ja keiner gestört fühlt.
Ich finde das nicht gut! Die Kinder lernen so nicht, sich zu benehmen. Und die Erwachsenen vergessen, dass Kinder sich eben nicht zu jeder Zeit perfekt benehmen, weil sie keine kleinen Roboter sind. Und das das aber zum Leben dazu gehört.
Mich selbst stresst das heute. Wenn meine Kinder laut sind und "nicht funktionieren" setze ich mich unter Druck, dass ich das sofort abstellen muss. Jetzt sehe ich eben die andere Seite.
no subject
Date: 2015-06-07 10:30 am (UTC)From:Die Kinder lernen so nicht, sich zu benehmen.
Ich glaube, das ist vielen, auch Eltern, nicht bewusst, und dadurch schaukelt es sich gegenseitig hoch. Gäbe es diese speziellen Angebote für Familien nicht, würde man nach ihnen verlangen. Angebot und Nachfrage eben.
Meine Schwester hat sich mit den Jungs bei ihrem Besuch hier ja auch nicht ins Hotel getraut, sondern ist lieber in die Jugendherberge gegangen, "wegen der anderen Gäste". Und sie hatte Schweißperlen auf der Stirn, als ich fürs Abendessen das Kartoffelhaus vorgeschlagen habe - was nun wirklich kein Schickimicki-Restaurant ist. Zumal wir draußen gesessen haben. Meine Neffen sind echt keine besonders auffälligen Rabauken, sondern schlaksige, alberne Jungs. So muss das auch :)
In der Hinsicht wird Frankreich ja immer als positives Beispiel genannt, weil die Kinder völlig normal immer dabei sind und sich "sogar benehmen". Darüber muss ich demnächst auch ein Buch lesen.
Leider sind es häufig gar nicht Kinderlose, die sich mokieren, sondern andere Eltern. Das finde ich besonders schade.